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Kölner Stadtanzeiger vom 09.05.2010

Erftkreis-Zyklus Aufbruch in neue Klangwelten

 

Von Frank-Uwe Orbons, 09.05.10, 16:22h

 

Die Pianistinnen Anja Bokämper und Beatrix Klein gastierten im Rahmen des Erftkreis-Zyklus auf Schloss Frens. Sie spielten Werke zwischen der Endphase der Romantik und dem Aufbruch in neue Klangwelten

 

Bergheim –08.05.2010

Seit 2005 spielen sie als Rheinisches Klavierduo zusammen. Die Pianistinnen Anja Bokämper und Beatrix Klein wirkten bei ihrem Auftritt beim Erftkreis-Zyklus auf Schloss Frens wie eineiige künstlerische Zwillinge. Denn ihre musikalische Vorstellungen, eine klare und deutliche Darstellung eines Werkes, hat sich auch ganz auf die kongruente fingerfertige Ausführung ausgewirkt.

 

Da lässt sich nicht mehr zwischen oberer und unterer Stimme unterscheiden, wenn die beiden Pianistinnen Werke zwischen der Endphase der Romantik und dem folgenden Aufbruch in neue Klangwelten anstimmen. Und auch wenn Claude Debussys vermeintlich zum Einspielen gedachte „Petite Suite“ aus dem Jahr 1888 ganz an den Anfang rückte, so drückt doch gerade dieses Werk die Quintessenz des gesamten Konzerts aus: Ein Komponist auf dem Weg zu neuen Ausdrucksformen.

 

Exakter Tonfall

 

Der junge Debussy erreicht mit seiner kleinen Klavierkomposition natürlich

noch nicht den parfümierten Impressionismus der „Rhapsodie espagnole“ des reifen Maurice Ravel, wie man ihn zum Schluss des Konzerts mit sehr exaktem Tonfall vernehmen konnte. Doch drückt sich in der kopierenden Suche einiger Komponistenkollegen wie Chabrier, Massenet oder Fauré bereits ein revolutionärer Geist aus, der mit überkommenen Klängen abrechnet.

 

Dies tut auf seine Weise auch Sergei Rachmaninoff. Er aber überwindet die Romantik mit seinen „Six Morceaux“ op. 11 nicht, sondern überhöht sie mit einem gesteigerten Pathos, das für Pianisten aufgrund einer außerordentlichen Klanglichkeit und der Geläufigkeit der Notenpassagen immer etwas zu bieten hat, auch wenn es meistens etwas zu viel des Guten ist.

 

Sechs Miniaturen

 

In den sechs Miniaturen konnten Bokämper und Klein dann auch entsprechend glänzen. Max Reger, ein weiterer Kandidat für die Romantik-Nachfolge löst das Problem auf seine individuelle Weise. In den „Sechs Walzern“ op. 22 verweigert sich der Komponist eines Standpunkts. Spielerisch und „Unregerisch“ nutzt Reger die Walzer als kurze Charakterstücke ohne viel Tiefgang. Dies ändert sich bei den „Sechs Burlesken“ op. 58. Es gibt eine Entwicklung innerhalb der Burlesken, und jede zeigt eine andere Seite des Regerschen Witzes.

 

Das Rheinische Klavierduo nahm mit seinem vorgestellten Programm eine spannende Phase in der Entwicklung der Musik unter seine Lupe. Durch die spannende, niemals schwammige Interpretation der unterschiedlichen Werke gebührt den Pianistinnen Bokämper und Klein besonderes Lob für Ihre musikalische Dokumentationsarbeit.

Kölner Stadtanzeiger vom 10.12.2007

Erftkreis-Zyklus klang märchenhaft aus

Walther Boecker las, das Rheinische Klavierduo spielte im Alt-Hürther Löhrerhof

Die Musik setzte die Geschichte von Cinderella raffiniert in Klänge um.

Von Jan Rossbach

Hürth – Zum Ausklang des Erftkreis-Zyklus hatten sich die Veranstalter etwas

Neues ausgedacht. Zwar stand zum abschließenden Weihnachtskonzert im Löhrerhof auch wieder die Musik im Vordergrund, doch die Zuhörer erlebten zudem einen besonderen Gast, der als Rezitator in Erscheinung trat: Hürths Bürgermeister Walther Boecker. Doch den klingenden Auftakt gestaltete das Rheinische Klavierduo mit den beiden Pianistinnen Beatrix Klein und Anja Bokämper, die schon im vergangenen Jahr einen glänzenden Klavierabend auf Burg Konradsheim geboten hatten.

Auch dieses Konzert begann das Duo mit einem Werk jenseits des Standard-Repertoires, mit Introduktion und Rondo op. posth. 5 von Johann Nepomuk Hummel. Auf höchstem technischem Niveau, mit Leichtigkeit und Gefälligkeit näherten sich die beiden Pianistinnen dieser Musik, die irgendwo zwischen Klassik und Romantik anzusiedeln ist. Das Werk eines bis heute kaum bekannten deutschen Spätromantikers stand im Folgenden im Vordergrund: Die Symphonischen Variationen über ein nordisches Thema op. 14 von Emil Kronke, der 1938 in Dresden starb. Ganz eigenwillig im Tonfall und streng voneinander abgegrenzt, entwickelt sich in diesen Variationen ein großes orchestrales Aufbäumen, das vom Duo konzentriert und kraftvoll ausgestaltet wurde.

Dann wurde es weihnachtlich. Kerzenlicht füllte den Raum, als sich Bürgermeister Walther Boecker zu den musizierenden Damen gesellte und aus dem Märchen „Cinderella“ vorlas. Sergej Prokofieff schrieb in den 1940er-Jahren seine berühmte Ballettmusik zu diesem Märchen, und aus dieser Ballettmusik wiederum hat der russische Starpianist und Dirigent Mikhail Pletnev eine Klaviersuite arrangiert, die das Rheinische Klavierduo an diesem Abend präsentierte. Musikalische Szenen und das gesprochene Wort gaben einander die Hand, und es machte Spaß nachzuhören, mit welcher Raffinesse die Musik das soeben Gehörte umsetzte, wie beispielsweise die vergeblichen Tanzversuche der bösen Stiefschwester, die immer aus dem Takt fällt und dem Partner auf die Füße tritt. Und als das Märchen mit den schlicht-schönen Worten endete „Und wenn sie nicht gestorben sind…“, fühlte man sich in die Kindheit zurückversetzt. Das hervorragende Rheinische Klavierduo, das diese schwierige Musik zu jeder Zeit souverän gestaltete, beendete den Abend musikalisch mit dem ruhig ausklingenden Finale dieser märchenhaften Musik.

Kölnische Rundschau vom 10.12.2007

Ausklang mit Kerzen

Der Erftkreis-Zyklus bot zum Abschluss ein besonders stimmungsvolles Weihnachtskonzert

Von Hanna Styrie

Hürth – Es war eine hübsche Idee des Hürther Musikseminars, den Erftkreis-Zyklus mit einem stimmungsvollen Weihnachtskonzert bei Kerzenschein ausklingen zu lassen. Das Rheinische Klavierduo und der als Sprecher angeheuerte Hürther Bürgermeister Walther Boecker hatten freilich Schwerstarbeit zu verrichten, denn am Vormittag hatte es im Löhrerhof bereits eine Vorstellung für Schüler der Hürther Grundschulen gegeben, bei der die „Cinderella-Suite“ von Prokofieff aufgeführt worden war. Das abendliche Konzert wartete dann mit einem erweiterten Programm auf.

Mit Johann Nepomuk Hummels Introduktion und Rondo op. posth. 5 sowie Emil Kronkes Symphonischen Variationen über ein nordisches Thema op. 14 hatten Anja Bokämper und Beatrix Klein sich für weitgehend unbekannte Werke entschieden. Wie ausgezeichnet sie harmonieren, zeigte sich bereits bei Hummels wirkungsvoller Komposition. Von Mozart höchstpersönlich ist der Mann unterrichtet worden, der später als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Zeit galt und selbst ein gefragter Klavierlehrer war.

Das Duo spielte mit machtvollem Anschlag und kräftiger Akzentuierung, sicher präzise und immer im besten Einvernehmen miteinander. Auch der Spätromantiker Emil Kronke wurde als Pianist und Pädagoge gleichermaßen geschätzt; in den Konzertprogrammen aber tauchen zumeist nur seine Flötenkompositionen auf.

Die Symphonischen Variationen sind wegen ihrer vielfältigen musikalischen Mittel ein dankbares Notenfutter für die beiden Musikerinnen, die hier mit großem Einsatz die ganze Palette dynamischer und klangfarblicher Möglichkeiten vom sanft-elegischen Piano bis zum wuchtigen Forte ausschöpften.

Der russische Tastenstar Mikhail Pletnev hat Sergej Prokofieffs Suite aus der Ballettmusik „Cinderella“ für zwei Klaviere so markant und anschaulich bearbeitet, dass sie mit der Orchesterfassung mithalten kann. Im Wechsel zwischen Märchenlesung und Musik entstanden so zahlreiche innere Bilder, die auch die erwachsenen Zuhörer sichtlich genossen.

Romantik pur ist die Geschichte vom Aschenputtel, das heimlich auf den Ball des Fürsten geht, dort zwar wieder flüchtet, doch schließlich von ihm über einen verlorenen Schuh gefunden und zur Frau erwählt wird. Hürths Bürgermeister Walther Boecker machte als Rezitator eine ansehnliche Figur. Anja Bokämper und Beatrix Klein gelangen musikalische Kabinettstückchen zwischen rasanter Geläufigkeit und lyrischer Emphase. Jedes Stück für sich ist hier eine kleine Kostbarkeit; die Pianistinnen widmeten sich ihnen mit Grazie und Spiellaune und erfreuten durch eine plastisch-delikate Wiedergabe.

 

Assembly Hall Beirut (AUB), Libanon 03.04.2007

L’Orient Le Jour 05.04.2007

de Edgar Davidian

Brio, précision et complicité pour deux claviers

Un vrai moment de bonheur pour les pianophiles. Un concert pour deux claviers est une belle variante du routinier répertoire pianistique où les touches d’ivoire ont davantage l’habitude de s’animer sous l’impulsion d‘une seule paire de mains. Une prestation qu’on souhaite applaudir plus souvent à Beyrouth pour son amplitude et ses innombrables ressources et richesses sonores. Présentées par l’ambassade d’Allemagne au Liban et le Kulturzentrum, Beatrix Klein , née en 1983 à Bonn, et Anja Bokämper, née à Hürth en 1969, ont offert aux mélomanes libanais une performance exceptionnelle où brio, précision et complicité étaient des atouts majeurs. Différence d’âge certe, mais une même et commune maturité musicale. Un concert qui ne table pas sur une démonstration de bravoure vaine, mais un amour sincère et profond de la musique, doublé d’une indéniable maîtrise technique.............

An-Nahar 06.04.2007 zweites Konzert Libanon

(Übersetzung)

Für den Zuhörer ist es schwerlich vorstellbar, dass ein, einem Orchester mit einer Vielzahl von Streich- und Blasinstrumenten gewidmetes Stück, sich in ein kompaktes und sentimentales Stück für 2 Klaviere umwandeln läßt.

Das Programm dieser beiden brillianten jungen Frauen, Beatrix Klein und Anja Bokämper, in der Assembly-Hall und im Maison Libanon-Allemande wurde auf 2 Flügeln vorgetragen. Sie spielten Hummel, Johannes Brahms aus der Epoche der Romantik, dann Ravel und Gershwin. Diese Mannigfaltigkeit warf Licht auf das Piano und ihre beiden Instrumente umarmten sich, um vereint auf einem höheren Niveau, mit Berührungen an dem Punkt, an dem man die Geheimnisse und die Begabung der Komponisten erahnen konnte, zu brillieren.

Selbst wenn Hummel vor allem für seine liturgische Musik bekannt ist, haben unsere zwei Künstlerinnen im Stück „op. Posthume 5“ die Basis des Flehens offenbart – sie verharrten am Strahl der Inspiration. In dieser mit Klassik durchtränkten Atmosphäre einer reinen romantischen Öffnung, folgte man diesen zwei gleichermaßen talentierten Künstlern wie einer einzigen Votragenden; jede bewahrte dennoch ihren geheimen Garten, in den sie sich mit der ganzen Kraft eines Musikers absonderte.

Johannes Brahms geleitete uns mit einem Walzer auf zwei Flügeln in einen ruhigen Rhythmus und schaffte eine Stimmung wie an den Wiener Schlössern.

Aber es sind Ravel und Gershwin, die wir mit Ungeduld erwarten und unser Warten wurde nicht enttäuscht. Die beiden Zauberinnen führten, mit einer Vorliebe für Träume von Ravel, auf die Höhe dieser schwierigen Komposition und in die Stimmung eines Kabaretts, die Gershwin in diesen Werken so gut erfasste.

Das Klaviersolo ist ein intimer Ausdruck, und hier teilte er sich zwischen zwei Frauen, die die gleichen Kleider tragend und sich im gleichen ästhetischen Schritt bewegend, auf. Sie hatten den gleichen Ausdruck des Mutes und der Freiheit. Mit Ravel versetzten sie sich in Ekstase und teilten sich die Melodie mit einem tiefen technischen Verständnis. Wie man es in der Rhapsodie Espagnole hört, ist es die Reinheit des Ausdrucks, der mit kurzen Sätzen überzogen wurde, um eine nahe Stimmung der Romantik zu schaffen. Ihre Arbeit glich dem Verlassen der Feder einen professionellen Malerei in imaginäre Farben. Diese Farben sind die Bewegungen, die die große Fantasie Ravels aufwühlen und die beiden Pianistinnen artikulierten sich wie ein Uhrmacher, der den Ton mit der Zeit abstimmt. Im Garten von Ravel haben die Finger der zwei Pianistinnen Rosentropfen über einer zauberhaften Romantik abgesondert, die das Genie seiner Komposition darstellt – es ist ein wenig wie die Sehnsucht nach der Kindheit.

Ihre Virtuosität fand sich wieder im „Concerto en fa pour piano et orchestre“ von George Gershwin, vom Autor für zwei Klaviere verfasst. Die Jazzstimmung hat ihr verführerisches Spiel ausgeführt. Der Rhythmus enstammt der New Yorker Atmosphäre, die Gershwin inspiriert hat; seine musikalische Poesie von einer Bewegung zur anderen, sein leichter rhythmischer Ausdruck, der das Geheimnis der Inspiration und den klugen Ehrgeiz dieses Künstlers offenbart. Die erste Bewegung war ein höllischer Rhythmus und wurde bis zum Höhepunkt der Dynamik interpretiert.

Dann variierten die Stimmungen, eben erst lyrisch, bald tanzend. Nach dem Rhythmus von Charleston des ersten Teils verspührte man die gesamte orchestrale Variation, die von den Blasinstrumenten und dem Rhythmus der Trompete hervorgebracht wurde. Im dritten Teil dann zurück zum Jazz.

May Menassa

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Burg Konradsheim 10.11.2006

13.11.2006

Dynamik und Spielwitz

"Rheinisches Klavierduo" spielte zum zweiten Mal beim Erftkreiszyklus

von HANNA STYRIE

ERFTSTADT. Vor anderthalb Jahren gab das "Rheinische Klavierduo" sein vielversprechendes Debüt beim Erftkreis-Zyklus. Jetzt konnte man Anja Bokämper und Beatrix Klein hier erneut erleben.

Zum prasselnden Kaminfeuer auf Burg Konradsheim boten die Pianistinnen an zwei Klavieren ein stimmungsvolles Programm, bei dem sie sich die Führungsaufgaben redlich teilten. Mit tadelloser Motorik bewältigten sie Johann Sebastian Bachs Konzert C-Moll BWV 1060. Leichthändig-locker und mit unerschütterlicher Präzision entwickelten sie die zahlreichen Ornamentierungen, mit denen Bach in den drei Sätzen aufwartet. Klar und transparent und in einem angenehm moderaten Tempo präsentierten Anja Bokämper und Beatrix Klein das Werk.

Bei Sergej Rachmaninoffs Suite Nr. 3 op. 17 zeigten sie sich im Vorspiel von ihrer leidenschaftlichen Seite. Mit viel Einfühlungsvermögen widmeten sie sich den folgenden Tanzsätzen "Valse", "Romance" und "Tarantelle", deren unterschiedlichen Charakter sie anschaulich herausstellten.

Besonders gut gelang ihnen die elegisch-sanfte "Romance", die manch ein Besucher mit geschlossenen Augen genoss; die Tarantella hingegen bestach durch tänzerischen Schwung.

Die reif und ausgeglichen wirkende Anja Bokämper und ihre 14 Jahre jüngere Partnerin sind zwei unterschiedliche Temperamente, die sich bestens ergänzen und sich in Bezug auf Dynamik und Spielwitz gelegentlich gegenseitig anzufeuern scheinen.

Ein Originalwerk für zwei Klaviere ist Carl Reineckes "La belle Griseldis" op. 94. Bei den Improvisationen über ein französisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert durfte man in melodischen Linien und glitzerndem Laufwerk schwelgen, denn der Komponist, selbst ein hervorragender Pianist, verstand sich auf effektvolles Musizieren. Das Rheinische Klavierduo bot hier eine frisch akzentuierte Interpretation, für die es viel Applaus gab.

Mit Maurice Ravels "Rhapsodie Espagnole" kam dann spanisches Kolorit ins Spiel. Hier betonten die beiden Musikerinnen die jazzige Seite der raffinierten Komposition und ermunterten sich dabei gegenseitig zu pianistischen Höhenflügen. Die Zugabe, George Gershwins Prélude Nr. 3, bot den rasanten Ausklang des Konzerts.

Perfekte Harmonie am Klavier

Beatrix Klein und Anja Bokämper

Die Pianistinnen bestreiten den 13. Abend des Erftkreis Zyklus mit Werken von Bach, Rachmaninov, Reinecke und Ravel.

VON JAN ROSSBACH

Erftstadt-Konradsheim - Das Klavier gehört zu den wenigen Instrumenten, die in der Lage sind, ein ganzes Orchester zu ersetzen beziehungsweise nachzuahmen. Davon konnte sich der Zuhörer beim 13. Konzert des Erftkreis Zyklus mit dem Rheinischen Klavierduo überzeugen. Die Bonner Pianistin Beatrix Klein und die in Hürth geborene Anja Bokämper boten Werke aus drei Jahrhunderten und beeindruckten mit Schwung, Spielwitz und perfekter Übereinstimmung.

Das Konzert für zwei Klaviere in c-Moll BWV 1060 von Johann Sebastian Bach, mit dem der Abend eröffnet wurde, ist ursprünglich mit Orchesterbegleitung komponiert. Doch durch die Reduzierung der Mittel und die beeindruckende dynamische Gestaltungsvielfalt der beiden Pianistinnen - vor allem in dem lyrischen zweiten Satz - wurde eine noch klarere Sicht auf die musikalische Architektonik diese barocken Meisterwerkes sichtbar.

Dann folgte ein Sprung ins 20. Jahrhundert. Mit der Suite Nr. 2 op. 17 für zwei Klaviere von Sergei Rachmaninov stand ein hochvirtuoser Zyklus auf dem Programm, der technisch wie musikalisch alles von den Interpreten verlangt. Das hohe Maß an Virtuosität geht Hand in Hand mit tiefer musikalischer Empfindung. Vor allem in der aberwitzigen Tarantelle wurde man Zeuge eines an Spielwitz kaum zu übertreffenden musikalischen Dialogs.

Mit einer romantisch-virtuosen Improvisation über ein französisches Volkslied mit dem Titel "La belle Griseldis" von Carl Reinecke begann der zweite Teil. Das perfekt eingespielte Duo bewies auch hier mit musikalische Leidenschaft und Fantasie. Es folgte mit der vom Impressionismus geprägten "Rhapsodie Espagnole" von Maurice Ravel zum Schluss wieder ein Werk, das ursprünglich für Orchester geschrieben wurde. In den insgesamt vier Sätzen geht es weniger um motivisch-thematische Bezüge als um klangliche Effekte, wie zum Beispiel die für Ravel so typischen Glissandi- oder Argeggio-Klangteppiche. Das Duo begeisterte auch hier mit glasklarer und kraftvoller Artikulationskunst.

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Weihnachtskonzert Euskirchen Comedia 16.12.2005  

Musikalischer Bogen von Bach bis Tschaikowsky

Von HANNA STYRIE

EUSKIRCHEN. Ein Klavierduo läßt zumeist auf Überraschungen im Programm hoffen. Nicht anders verhielt es sich bei dem vor gut einem Jahr gegründeten „Rheinischen Klavierduo“, zu dem sich Anja Bokämper und Beatrix Klein zusammengeschlossen haben.

Auf Einladung der Kultur-Initiative Klösterchen präsentierten sie in der Comedia „Besinnliches und Beschwingtes zur Vorweihnachtszeit“ und schlugen dabei auf zwei Klavieren einen musikalischen Bogen von Bach zu Tschaikowsky. Schon in der kurzen Zeit ihres Zusammenwirkens haben die jungen Pianistinnen zu einer bemerkenswerten Übereinstimmung gefunden, auf musikalischer und auf menschlicher Ebene, wie man deutlich beobachten konnte.

Wie gut die reif und ausgeglichen wirkende Anja Bokämper und ihre temperamentvolle Partnerin sich ergänzen, zeigte sich schon bei dem eingangs gespielten Konzert in C-Dur BWV 1060 von Johann Sebastian Bach, dem sie mit tadelloser Motorik Ausdruck verliehen.

Mit flinkem Spiel entwickelten sie dabei die zahlreichen Ornamentierungen, mit denen Bach hier aufwartet. Das Kontrastprogramm dazu boten sie bei Dimitri Schostakowitschs Concertino op. 94, in dem sich traumverlorene Klänge mit expressiven Passagen abwechseln - Pianistenfutter erster Güte, das den Musikerinnen reiche Entfaltungsmöglichkeiten bot. Kraftvoll und mit packendem Zugriff gingen sie hier zu Werke. Dabei befanden sich Anja Bokämper und Beatrix Klein immer im besten Einvernehmen miteinander und konnten sich darauf verlassen, dass jede unerschütterlich Tempo und Rhythmus hält. Ein Originalwerk ist Carl Reineckes „La belle Griseldis“ op. 94.

Bei den Improvisationen über ein französisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert durfte man in melodischen Linien und glitzerndem Laufwerk schwelgen, denn der Komponist, selbst ein hervorragender Pianist, verstand sich bestens auf effektvolles Musizieren.

Bei einem Walzer von Maurice Ravel taten die Pianistinnen dann des Guten zuviel: Hier war die Interpretation so zackig, dass die feinen Klangfarben leider völlig übertüncht wurden.

Zu den weihnachtlichen Hits gehört die Nussknacker-Suite, aus der die Beiden einige Auszüge boten. Leicht und spielerisch und in sicherer Akzentuierung wurden der berühmte Marsch, die verschiedenen Tänze und schließlich der hinreißende „Blumenwalzer“ kredenzt.

Hier warfen sich die Musikerinnen lustvoll gegenseitig die Bälle zu, erfreuten durch Grazie und Spielfreude und eine plastisch-delikate Wiedergabe der kleinen Charakterstücke.

Bei der Zugabe, Reineckes „Weihnachtsabend“, verbreitete sich dann endgültig festliche Vorfreude im Saal.

(KR)

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Kölner Stadtanzeiger 31. August 2005

VON FRANK-UWE ORBONS, 31.08.05, 07:14h

Duo im Rondo-Rausch

Das „Rheinische Klavierduo“ feierte beim Erftkreis-Zyklus einen Einstand nach Maß.

Alt-Hürth - Doppelte Premiere im Löhrerhof: Erstmals gab es in diesem Jahr beim Erftkreis-Zyklus in den Burgen, Schlössern und historischen Bauten des Rhein-Erft-Kreises ein vorgelagertes Sommerkonzert. Dazu konnte der Veranstalter, das Hürther Musikseminar, das seit etwa einem Jahr existierende „Rheinische Klavierduo“ gewinnen, das vor voll besetztem Haus sein erstes Konzert absolvierte. Die Pianistinnen Beatrix Klein und Anja Bokämper hatten sich keinen einfachen Ort für den Einstand ausgesucht. Denn in der kleinen Hofanlage konnten gut 100 Besucher den Künstlerinnen direkt auf die Hände schauen. Kleinste Fehler hätten keine Chance gehabt, unentdeckt zu bleiben.

Es gab sie jedoch nicht - schon am Anfang spielten sich Klein und Bokämper mit Frédéric Chopins op. 73 in einen Rondo-Rausch, der in der Fantasie in a-Moll von Alexander Scriabin nachklang. Die Abstimmung der Musikerinnen ist nach der kurzen Zeit des Zusammenspiels bereits bemerkenswert. Mit der musikalischen Parallelführung der zwei Stimmen hat jedoch keine der Pianistinnen ihre Individualität aufgegeben. Vielmehr machten gerade die unterschiedlichen Temperamente den Reiz des Vortrags aus. Kleins burschikos unbekümmerter Zugang machte sich positiv bei den Jazzrhythmen der George-Gershwin-Werke bemerkbar. Dagegen setzte Bokämpers lyrisches, innerlich abgeklärtes Spiel einen apart ergänzenden Gegenpart.

In dem unterhaltsamen Capriccio von Francis Poulenc etwa fanden Klein und Bokämper ein geeignetes Betätigungsfeld für ihre Spielfreude. Besondere technische Herausforderungen stellten George Gershwins „Cuban Ouverture“ und die Bearbeitung des Klavierkonzerts f-Moll für zwei Klaviere. Die Fulminanz des Vortrags machte auf das Publikum einen so ungeheuren Eindruck, dass es bereits nach dem Eröffnungssatz des Konzerts einen mächtigen Szenenapplaus spendete.

(KStA)

Kölnische Rundschau 30.08.2005 07:15 Uhr

Gelungener Auftakt

Von HANNA STYRIE

HÜRTH. Frühstart für den Erftkreis-Zyklus: die beliebte Konzertreihe gab diesmal mit einem spätsommerlichen Konzert im Löhrerhof einen Vorgeschmack auf kommende Genüsse. Die Hofanlage bot dem „Rheinischen Klavierduo“ ein angenehmes Ambiente für sein Debüt. Vor einem Jahr schlossen sich Anja Bokämper und Beatrix Klein zum Duo zusammen; bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt reüssierten sie an zwei Klavieren mit effektvollen Kompositionen von Chopin, Skrjabin, Poulenc und Gershwin.

Das mit Bedacht zusammengestellte Programm ließ keine Wünsche offen. Schon in der kurzen Zeit ihres Zusammenwirkens haben die jungen Pianistinnen zu einer bemerkenswerten Übereinstimmung gefunden - auf musikalischer und auf menschlicher Ebene. Fréderic Chopins Rondo op. 73 diente als Einspielstück, dem sie mit sanftem Perlen ebenso differenziert Ausdruck verliehen wie mit dunklem Grollen. Alexander Skrjabins ausschweifender Fantasie in a-Moll begegneten sie mit Leidenschaft und großem Schwung; bei Francis Poulencs eigenwilligem „Capriccio d´après le bal masque“ zogen sie alle Register. Hier lieferten sich Anja Bokämper und ihre 22-jährige Partnerin ein pianistisches Duell voller Angriffslust und technischer Raffinesse. Kraftvoll, vital und zupackend ist das Spiel von Beatrix Klein , dem Anja Bokämper Erfahrung und Gelassenheit entgegensetzt. Die anschließende „Élegie“ mit ihrer träumerischen Stimmung kam zur Erholung nach dem knalligen „Capriccio“ gerade recht und zeigte die Musikerinnen von der sanften Seite.

Bei George Gershwins „Cuban Ouverture“ kamen lateinamerikanische Klänge ins Spiel. Hauptwerk des Auftritts war Gershwins ursprünglich für Klavier und Orchester geschriebenes Konzert in F-Moll, ein Paradebeispiel für den sinfonischen Jazz der zwanziger Jahre.

Anja Bokämper und Beatrix Klein präsentierten das rhythmische Allegro mit viel Brillanz und Feeling. Nicht weniger überzeugend gelang der melodiöse Mittelsatz, den die Pianistinnen kräftige Konturen verliehen.

(KR)

 

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